Freitag, 21. Juli 2017

Gelesen: Call of the wild (Harry Potter Fanfiction)

Es fällt mir sehr schwer, aber heute muss ich einmal eine richtig schlechte Bewertung für dieses Buch vergeben:


Das Buch gibt es zur Zeit als Ebook kostenfrei bei Amazon: klick.

Beschreibung
Harry nickte nur stumm. Das hatte er erwartet. Um die meisten Sachen machte er keinen Hehl daraus, dass er sie nicht wieder sehen würde, das einzige was er bereute, war der Umhang. Er hatte Sirius gehört und wie es sich bei einen Rumtreiber gehört, hatte er ein paar Zusatzfunktionen gehabt, wie zum Beispiel geheime Taschen, wo Harry stets sein ganzes Hab und Gut, was ihm wichtig war – er hatte nicht viel – bewahrte und es so immer sicher bei ihm hatte.(Quelle: Amazon)

Das Buch
Als Printbook hätte das Buch 946 Seiten. Informationen über das Veröffentlichungsdatum, einen Verlag oder den Autor selbst konnte ich nicht finden.

Meinung
Eins vorweg: ich liebe das Harry Potter-Universum, die Bücher, die Filme, alles was dazugehört. Als ich vor ein paar Tagen dann auf dieses zur Zeit kostenlose Buch gestoßen bin, war ich mehr als erfreut, als es sich als HP-Fanfiction herausstellte. Leider ist das weder irgendwo vermerkt und auch nur ansatzweise zu vermuten wenn die Beschreibung gelesen wird. Auch über den Autoren konnte ich nichts herausfinden, außer, dass er vor kurzem 5 Bücher bei Amazon veröffentlicht hat, die der Beschreibung nach alle im HP-Universum angesiedelt sind. Ich vermute, dass es sich hier um Selfpublishing handelt, es ist nichts angegeben ob ein Verlag, Amazon selbst oder eine Selfpublishing-Plattform beteiligt war.

Zum Inhalt:
Harry Potter findet sich schwer verletzt vor dem Haus seiner Eltern wieder, offensichtlich ist er in seine eigene Vergangenheit gereist. Er selbst ist zu dieser Zeit noch nicht geboren worden und gibt erstmal einen falschen Namen an, um seine wahre Identität geheim zu halten. Harry kann sich nicht erinnern, wie er dort hin gekommen ist, sieht jedoch nun seine Chance gekommen, seine eigene Geschichte zu ändern und Voldemort ein für alle Mal aufzuhalten.

Ich persönlich finde diese Idee spannend und konnte kaum erwarten zu erfahren wie es weiter geht.

Jetzt kommt das große ABER: trotz der spannenden Geschichte ist es mir gleichzeitig echt schwer gefallen, weiter zu lesen. Die Gründe sind vielfältig:
1) Das Buch hat furchtbar viele Rechtschreib- und Grammatikfehler. Ich vermute, dass es hier weder ein Lektorat gab (was ja auch nicht zwingend sein muss und auch für angehende Autoren ziemlich kostspielig ist), noch wurde hier eine Rechtschreibprüfung gemacht wie sie jedes normale Textverarbeitungsprogramm beinhaltet. Die Fehler waren unter anderem:
- Zeitwechsel, die übliche einfache Vergangenheitsform wurde nicht komplett durchgezogen, immer wieder gibt es Sätze, die in der Gegenwartsform geschrieben wurden
- Verwechslung von als / wie
- Genitiv falsch bzw. nicht angewendet (jeden/jedem)
- Groß- und Kleinschreibung
- fehlende Leerzeichen oder unangebrachte Leerzeichen zwischen zusammengesetzten Wörtern
- Formatierungscodereste (Beispielzitat: "Draco sah sie mit einem Blick an der wohl sagen sollte, [style type="italic"] und das soll mir jetzt etwas sagen weil...[/style]")
- Kommasetzung
- das / dass
- Wörter einfach durchgehend falsch geschrieben (Gestallt)
- falsche Artikel gewählt ("das Kommentar")
- Auslassung von Buchstaben (snd statt sind)
und so weiter. Mit ein paar Fehlern kann denke ich jeder Leser leben, aber so viele sind einfach unnötig und nervtötend.
2) Sehr einfache Sprache, einige Wiederholungen. Ich vermute rein von den gewählten Ausdrücken und Wörtern, dass der Autor noch recht jung sein müsste, vielleicht unter 20. Das finde ich nicht schlimm, es ist eine reine Vermutung.
3) Ich kam immer wieder aus dem Lesefluss, wenn der Autor die Immersion durchbrach und den Leser daran erinnerte, dass der Autor dieses oder jenes gedacht oder gemeint habe
4) Manche Sätze sind unvollständig und ergeben keinen Sinn ("In dem Moment war er apparieren zu können."), ebenso brechen Absätze mitten im Satz ab, werden durch andere Absätze mit Dialogen unterbrochen und erst später weiter geführt. Das hat mich sehr verwirrt. Erst ein paar Seiten später habe ich verstanden, dass die Figuren aus einem Buch vorlasen und sich zwischendurch immer wieder über die Textpassagen unterhielten. Hier würde ich in Zukunft die Buchpassagen besser kenntlich machen, zum Beispiel durch kursive Schrift, da der Leser sonst nie weiß, wo sich die Geschichte gerade abspielt, im Buch oder im Raum der Lesenden.
5) Harry Potter wirkt nicht sehr glaubwürdig, wenn er zum einen Vater und Ehemann ist, zum anderen in der Bibliothek von Hogwarts reagiert wie ein bockiger Erstklässler.

Die Krönung war jedoch, dass es nach dem ersten spannenden Viertel des Buches nur noch darum ging, dass die handelnden Figuren das Buch "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" lesen und kommentieren, da die Geschehnisse aus besagtem Buch in deren Zukunft liegt. In Buchseiten wären das glatte 700 von 946 Seiten. So bekomme ich natürlich ein Buch schnell gefüllt, wenn ich ein anderes wiedergebe und die Figuren es kommentieren lasse. Und dann hört es einfach auf. Kein Kommentar am Ende, wie es weiter geht, keine Auflösung des ursprünglich spannenden Plotts, keine Hinweise, einfach nichts.Ich war sprachlos und sehr verärgert über die vertane Zeit.

Meine Vermutung ist, dass eins der anderen Bücher des Autors die Geschichte weiter führt. Ich ringe sehr hart mit mir, ob ich es mir antun möchte, das passende Buch heraus zu finden. Einerseits möchte ich wirklich wissen, wie die Geschichte ausgeht (ich liebe Harry Potter, sagte ich ja schon...). Andererseits... siehe oben. Ich bedaure es jedenfalls sehr, dass ich dieses Buch entdeckt und angefangen habe. Sonst würde ich mir nicht Gedanken um den Ausgang der Geschichte machen und ich müsste nicht eine schlechte Bewertung hinterlassen. Sehr schade, die Geschichte hat Potential, wurde aber durch die oben genannten Gründe leider komplett in den Sand gesetzt. Leider nur 1 von 5 Sternen.


Freitag, 14. Juli 2017

Gelesen: Sumerland 2: Prinz Zazamael

Vor einiger Zeit durfte ich euch schon Teil 1 der zweiteiligen Reihe vorstellen, heute folgt nun der zweite Teil, den ich ebenfalls über Literaturtest lesen durfte:


Das Buch wurde freundlicherweise von Panini kostenfrei zur Verfügung gestellt. Hier findet ihr weitere Informationen: klick. Vielen Dank nochmal für das Rezensionsexemplar.

Beschreibung
Serisada ist verschwunden, als das flüssige Silber ihr Stadtviertel überflossen hat. Damit gilt ihr Tod als hundertprozentig gewiss, denn das Silber ist der geheime Schrecken und das schmutzige Geheimnis hinter der glamourösen Fassade der Stadt. Das Silber wartet unten im Stadtkegel, um früher oder später alles aufzunehmen, was die Zivilisation von Waylhaghiri produziert. Prinz Zazamael ist seit jeher von Prinzessin Serisada besessen, weil nur sie für ihn ein gleichwertiges Gegenüber sein kann und keine Marionette – nur durch sie kann er den "wilden Wein" erlangen und die große Fusion zur Verschmelzung von Traum und Realität herbeiführen. Die Nachricht vom Tod von Prinzessin Serisada führt dazu, dass er sich selbst und sein Königreich verkommen lässt.(Quelle: Panini)

Autor
Dr. Johannes Ulbricht, geb. 1970 in München, ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und Justiziar des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft. Vor der Sumerland-Duologie ist von ihm der Games-Roman „Der Spielemacher“ (CSW-Verlag, 2010) erschienen. Er lebt in Hamburg und verpasst kein Sisters-of-Mercy-Konzert.
(Quelle: Amazon)

Das Buch
Das Taschenbuch hat 400 Seiten und wurde am 23.08.2016 als Artbook bei Panini veröffentlicht. Es lässt sich flüssig lesen, Rechtschreib- oder Satzfehler sind mir nicht aufgefallen.

Meinung
Das Wichtigste vorab: Wer den ersten Teil "Sumerland: Prinzessin Serisada" noch nicht gelesen hat, der sollte hier jetzt nicht weiter lesen oder zumindest nicht den Abschnitt zum Inhalt und gegebenenfalls sofort zum Fazit springen. Die beiden Bücher gehören untrennbar zueinander und bauen aufeinander auf. Diese Rezension hier könnte also Spoiler für das erste Buch enthalten.

Das Spiel
Wie schon in meiner Rezension zum ersten Band möchte ich nochmal kurz das Thema der dazugehörigen App aufgreifen. Die Apparatu Memoria App schickt den Spieler auf die Suche nach geheimen Symbolen und ermöglicht es, hinter den Vorhang unserer Realität und in das Sumerland zu blicken. Wer keine Möglichkeit hat, die Symbole zu suchen, der kann sie auf der Seite endederwelt Punkt de auch so scannen. Wer alle Rätsel lösen kann, darf sich auf einen exklusiven Soundtrack der Gruppe QNTAL freuen und auf die Aufnahme in die Geheimgesellschaft, die ab Sommer diesen Jahres als Fantasy-Rollenspiel starten wird. Ich habe mittlerweile alle Rätsel lösen können und kann sagen, dass es mir Spaß gemacht hat daran zu knobeln. Manche waren eher einfach, andere sehr kniffelig, im Endeffekt sind aber entgegen meiner ursprünglichen Annahme (ja ich bin manchmal zu ungeduldig...) alle lösbar. Und der Spieler erhält durch die App noch mehr Einblick ins Sumerland als allein durch die Bücher. Zumal die Betreiber der oben genannten Seite sowieso die Bücher als "Roman zum Online-Fantasy-Game" bezeichnen. Ich kenne andere Bücher, die auf Spielen basieren, und die sind meistens eher für die Fans der Spiele interessant und eher nicht literarisch herausragend (jedenfalls meiner Meinung nach). Hier ist das anders, Spiel und Bücher greifen ineinander, eins wäre ohne das andere nicht komplett. Die Fusion zwischen Fiktion und Realität, die in den Büchern ja angestrebt wird, ist hier zumindest gut gelungen finde ich.

Zum Inhalt
Prinz Zazamael steht kurz vor seinem Ziel, dem Palast der Prinzessin Serisada, als ihn die Nachricht vom vermeintlichen Tod der Prinzessin erreicht. Tief bestürzt zieht er sich zurück und überlässt die Verwaltung der Stadt dem geheimen Rat. Währenddessen hat Serisada aber doch mithilfe eines alten Freundes überlebt und schwört Zazamael und dem Rat furchtbare Rache, da Ratsmitglied und Mentor Azethot nicht einmal versucht hat ihr zu helfen, und die Stadt einfach so den Tod eines ganzen Viertels in Kauf nimmt, ohne sich darum zu scheren. Auf ihrer Reise durch die untersten Schichten der Turmstadt hinauf zum Palast Zazamaels sammelt Serisada eine Menge Anhänger und zettelt mit deren Hilfe eine Revolution an, die das gesamte System der Stadt ins Wanken bringt. Im großen Finale stehen sich die beiden Königskinder Auge in Auge gegenüber. Wer wird siegen? Was ist die große Fusion und was ist hinter dem Silbersee? Und was hat Susannes Geschichte damit zu tun, ist das Sumerland Fakt oder Fiktion?

Auch Band 2 besteht wieder zu einem großen Teil aus den inneren Monologen der unbekannten Singlefrau, die beruflich mittlerweile eine andere Richtung eingeschlagen hat und weiterhin gebannt der Kinderspielgeschichte ihrer Nichte Susanne lauscht. Im Gegensatz zum ersten Band fand ich die Monologe hier allerdings weniger nervend, viel passender und auch spannender. Ich denke immer noch, dass die Frau einen Psychologen besuchen sollte, doch die Geschichte reißt den Leser so sehr mit, dass sich plötzlich alles zusammenfügt. Es gab Stellen, an denen ich unbedingt wissen wollte, wie Susannes Geschichte weiter geht, dann sprang das Buch aber wieder zu Serisada und ich wollte unbedingt wissen, was dort geschieht. Das Buch war so spannend, dass ich es in wenigen Tagen durchgelesen hatte. Die meisten Fragen bekommen zum Ende hin auch eine Antwort, und die leicht kryptisch geschriebene Geschichte bekommt einen sinnvollen Abschluss. Nur eine Frage bleibt offen, und ich fürchte, die muss der Leser selbst interpretieren. Welche das genau ist wird nicht verraten. ;)

Das Cover
Band 2 zeigt ein Bild aus dem Inneren der riesigen Turmstadt, genauer gesagt den Basar der Tausend und abertausend Güter. Auf der Webseite vom Sumerland gibt es dieses und andere Bilder auch nochmal zum Anschauen. Das Coverbild lädt zum Verweilen und Betrachten ein, immer wieder fallen neue kleine Details auf. Ich finde es passend und gut gewählt für den zweiten Teil der Buchreihe.

Fazit
Kurz gesagt: ich bin begeistert. Das Lesen des zweiten Bandes in Verbindung mit dem Handyspiel hat mir viel Spaß gemacht und war beides spannend. Die Sprache im Buch ist manchmal ein wenig abgehoben und kryptisch, trotzdem passt es zur Gesamtstimmung und zum Konzept. Die Geschichte hat mich komplett gepackt und ich kann nicht anders als volle fünf Sterne zu geben. 


Ich bin sehr gespannt, wie es mit der Geheimgesellschaft weitergehen wird, ich halte euch auf dem Laufenden :)

Samstag, 1. Juli 2017